treffpunktfamilie

Foto von Gudrun Walser
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. . . ist eine Internetseite für Familien mit kleinen Kindern,                 

 

die kompakt pädagogisches Wissen vermitteln will,

die mit kindgerechten Videos musikpädagogisch inspirieren will,

die mit der "Ideenbox" zu kreativem Gestalten und Spiel anregen will . . .

                                                                         

                                                                                                 gestaltet von Gudrun Walser 

 

Rückmeldungen ~ Themenwünsche ~ Anregungen einfach per Mail unter dem Betreff    "treffpunktfamilie" an: ebw.weilheim@elkb.de  senden . . . wir freuen uns!

 

Wenn Sie eine Seite verpasst haben, können Sie diese ebenfalls per Mail anfordern; wir senden Sie Ihnen zu. Viel Spaß beim Lesen, Sehen, Hören, Spielen, Gestalten . . .

 

13. Oktober 2020                                                                                      treffpunktfamilie 4

 

Leerer Bilderrahmen aus Buntstiften
Bildrechte: www.pixabay.com

Das Bild vom Kind 

Liebe Eltern,

stellt euch einmal vor, ich würde euch in einem Gespräch über Erziehung Folgendes mitteilen:

Kinder sind „kleine Wilde“ mit unkontrollierten Antrieben und übermäßigen Ansprüchen. Wir müssen ihnen alles Nötige beibringen, damit sie sich einfügen und ordentliche Mitglieder unserer Gesellschaft werden.

Hoffentlich würdet ihr dann sofort den Kopf schütteln und sagen: „Das entspricht aber so gar nicht meiner Vorstellung!“

Und, liebe Eltern, ihr habt Recht, dieses „Bild vom Kind“ stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist definitiv überholt.

Warum brauche ich denn überhaupt ein „Bild“ vom Kind?

Das Bild vom Kind ist ausschlaggebend für mein Erzieherverhalten und für die Förderung, die ich meinem Kind zukommen lasse. Wenn ihr euer Kind in einer Krippe oder in einem Kindergarten anmeldet, bekommt ihr eine Konzeption in die Hand, in der ihr mit Sicherheit ein Kapitel über das „Bild vom Kind“ des Trägers/ des Erzieherteams finden werdet. Dann könnt ihr überlegen: Gibt es da eine Übereinstimmung mit meinen Vorstellungen?

Wie finde ich „mein“ Bild vom Kind?

Da möchte ich euch ein paar unterschiedliche Ansätze die Hand geben:

  • Ich stelle mir das Kind als eine unbeschriebene Tafel vor Das Kind ist von Natur aus unreif und muss durch meine Erziehung geformt werden.
  • Ich stelle mir das Kind als Samenkorn vor Das Kind hat einen inneren Bauplan und ich fungiere als Gärtner, der Licht und Wasser zur Verfügung stellt.
  • Ich stelle mir das Kind als bereits kompetentes Wesen vor Das Kind besitzt alle Grundlagen und ich helfe ihm als Vorbild und mit geeigneten Hilfestellungen, damit es sich altersentsprechend entwickeln kann.
Lernendes Kind an der Weltkugel
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Wenn ihr mich persönlich fragen würdet: „Gudrun, welches ist denn nun dein persönliches Bild vom Kind? Was ist die Grundlage für deine pädagogische Arbeit?“, dann würde ich das Bild vom Kind nach der ungarischen Kinderärztin und Pädagogin Emmi Pikler nennen:

Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit und deshalb sein eigenes Entwicklungs- und Lerntempo, das sehr unterschiedlich sein kann. Jedes Kind macht genau dann seinen nächsten Entwicklungsschritt, wenn es sich dafür bereit fühlt, also sicher mit dem bisher Erlernten ist. Alle motorischen Fähigkeiten und auch das Selbstbewusstsein entwickelt das Kind selbst, wenn es ein entsprechend wertschätzendes und liebevolles Umfeld dafür hat.

Dieses Bild vom Kind gefällt mir, weil ich dadurch die Kinder nicht in eine bestimmte Richtung ziehe, sondern ihnen auf Augenhöhe begegne. Das heißt, dass ich das Kind auf seinem ganz persönlichen Weg unterstütze und begleite.

Und jetzt seid ihr dran: überlegt euch, wie sieht euer Bild vom Kind aus? Vielleicht geht´s euch wie dem Nikolauser im Video: Viel Mühe und Überlegungen stellt er an und das Ergebnis stellt ihn nicht zufrieden, macht ihn eher unsicher …

Bunte, leere Sprechblasen
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Aber gerade dieser Prozess, dieses Reflektieren, dieses Betrachten von allen Seiten ist wichtig, und nicht ein perfekt aussehendes Bild!

Viel Freude für eure Gedanken wünscht euch             

Eure Gudrun ¯

 

Und demnächst: tauchen wir ein in die Gedankenwelt der Emmi Pikler …


 

                                                              Ideen – Box

Ungiftige Finger- und Malfarben selbst herstellen:

Je Farbtöpfchen braucht man:             

Kind malt mit Fingerfarben auf Papier
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100 ml Wasser

4 leicht gehäufte Esslöffel Mehl

Spinat-, Kirsch-, Rote Beete- oder Blaubeersaft

Alte Schraubverschlussgläser

 

Und so geht`s:

Vermische den Saft mit Wasser; dann das Mehl hinzugeben; kräftig verrühren bis eine klumpenfreie Mischung entstanden ist. Die Farbe in eine Schraubverschlussglas füllen. Sie hält im Kühlschrank ca. zwei Wochen.

!!! Dem Kind ein altes Hemd/Bluse mit angeschnittenem Ärmel anziehen = Malerkittel ~ Großes Papier anbieten (festkleben, damit es nicht rutscht); die Fläche darunter abdecken!!!

Was geschieht?

Mit den Fingerfarben können bereits die Kleinen ohne Pinsel loslegen und mit den Händen und Fingern ihrer Kreativität freien Lauf lassen; dabei werden die Neugier, die Experimentierfreude sowie die Sinne angeregt.

 

 

 

 

01. Oktober 2020                                                                                      treffpunktfamilie 3

Auf dem Weg

Mit "Hut, Stock und Regenschirm" (Video) haben wir uns sozusagen gut ausgerüstet auf den Weg gemacht, um eine eigene "Erziehungs-Spur" zu finden. Wie auf jedem Weg geht´s vorwärts, aber manchmal ist es auch notwendig rückwärts oder gar ausweichend seitwärts zu gehen; zum Beispiel um etwas genauer zu betrachten, um etwas "unter die Lupe" zu nehmen. 

Unter die Lupe nehmen
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Wenn es kein "Erziehungs-Rezept" gibt, wenn wir uns folglich überlegen müssen, welche Werte, Vorstellungen und Traditionen wir an die Kinder weitergeben wollen, ist es ratsam, die eigene Erziehung unter die Lupe  zu nehmen. Denn, sie hat uns geprägt. Prägung klingt für meine Ohren sehr statisch, nicht veränderbar, aber das muss nicht so sein!

Der Blick durch die Lupe kann uns aufzeigen: 

Was waren die guten Seiten meiner Erziehung, was waren die weniger guten Seiten? 

Zwei Spalten zum Aufschreiben
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Vielleicht ist es ganz wichtig, es in zwei Spalten aufzuschreiben, damit man es schwarz auf weiß vor Augen hat. Dann kann man sicherlich auch die Frage: "War alles nur schrecklich?" mit einem "Nein!" beantworten. (Auch wenn die Spalte vielleicht viel kleiner ist...) Mit dieser Methode gelingt uns nämlich ein guter und wichtiger Schritt vorwärts:         

Die guten Seiten nutzen - für die weniger guten Seiten eigene Strategien entwickeln!

Ein Beispiel: Ich habe als Kind von meinen Eltern oft klare Anordnungen bekommen (Es ist jetzt Zeit zum Schlafen...) ,die ich mit nörgeln und der Frage nach dem "Warum" beantwortet habe. Die Antwort meiner Eltern war dann meist: "Weil ich es dir sage!" Als Kind habe ich darunter gelitten, weil ich das Gefühl hatte, dass mich meine Eltern nicht verstehen, dass meine Ansicht nicht gehört wird und dass Erwachsene wohl die Bestimmer sind. Bei meiner Auflistung würde das also auf der Seite "weniger gut" stehen. Jetzt kann ich für die Erziehung meiner Kinder eine Strategie entwickeln: Ich kann das Verhalten, das ich mir von meinem Kind wünsche, einfordern  aber ich möchte dazu eine konkrete Erklärung abgeben, die dem Kind vermittelt, dass ich es ernst nehme, dass ich aber auch Verantwortung trage, auf seine gesunde Entwicklung zu achten. ("Ich weiß, dass du jetzt noch nicht schlafen gehen, sondern weiterspielen möchtest, doch genügend Schlaf ist für dich  wichtig, damit du morgen wieder neue Kraft zum Spielen hast.")

Fußabdrücke vorwärts
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Das bedeutet schwere Arbeit, aber es lohnt sich! Auch noch so kleine Schritte führen ans Ziel! Und das alles immer unter dem Aspekt:                                                                                      "Erziehen so gut man kann; Fehler sind natürlich!"

Viel Kraft und Schwung für die Entwicklung neuer Strategien wünscht euch eure

Gudrun

 

Und demnächst: Lasst uns mal schauen, welches "Bild vom Kind" einzelne Pädagogen in ihrer Zeit hatten und welches "Bild" unserer Vorstellung entspricht...

 

 

                              Ideen -Box                                                                   Neue Erfahrungen für kleine Füße                                     

Im Sommer können Kinder draußen vielfältige Fußerfahrungen machen: Gras, Sand Steinchen bieten neue Sinneserfahrungen und fördern das sichere Laufen. Aber auch wenn die Temperaturen draußen nicht mehr mitspielen, kann man drinnen einen Parcours zum Krabbeln oder Gehen bauen, der zum „Üben“ anregt:

Kind krabbelt über einen Teppich
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Du brauchst unterschiedliche Unterlagen: Luftmatratze, Fell, saubere Fußmatte,   Badematte, Luftpolsterfolie, Gummimatte, verschieden große Polster, Kissen, …

Lege den Laufsteg auf den Boden: Auf der wackeligen Luftmatratze läuft es sich ganz anders als auf dem kuscheligen Fell oder dem rauen Fußabstreifen.

Was passiert: Dein Kind probiert die verschiedenen Böden begeistert aus und wird dabei immer sicherer.