treffpunktfamilie 4

15. Oktober 2020                                                                                      treffpunktfamilie 4

 

Das Bild vom Kind

 

Bilderrahmen aus Buntstiften ohne Inhalt
Bildrechte: www.pixabay.com

Liebe Eltern,   

stellt euch einmal vor, ich würde euch in einem Gespräch über

Erziehung Folgendes mitteilen:

Kinder sind „kleine Wilde“ mit unkontrollierten Antrieben und übermäßigen Ansprüchen. Wir müssen ihnen alles Nötige beibringen, damit sie sich einfügen und ordentliche Mitglieder unserer Gesellschaft werden.

Hoffentlich würdet ihr dann sofort den Kopf schütteln und sagen: „Das entspricht aber so gar nicht meiner Vorstellung!“

Und, liebe Eltern, ihr habt Recht, dieses „Bild vom Kind“ stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist  definitiv überholt.

Warum brauche ich denn überhaupt ein „Bild“ vom Kind?

Das Bild vom Kind ist ausschlaggebend für mein Erzieherverhalten und für die Förderung, die ich meinem Kind zukommen lasse. Wenn ihr euer Kind in einer Krippe oder in einem Kindergarten anmeldet, bekommt ihr eine Konzeption in die Hand, in der ihr mit Sicherheit ein Kapitel über das „Bild vom Kind“ des Trägers/ des Erzieherteams finden werdet. Dann könnt ihr überlegen: Gibt es da eine Übereinstimmung mit meinen Vorstellungen?

Wie finde ich „mein“ Bild vom Kind?

Da möchte ich euch ein paar unterschiedliche Ansätze die Hand geben:

  • Ich stelle mir das Kind als eine unbeschriebene Tafel vor Das Kind ist von Natur aus unreif und muss durch meine Erziehung geformt werden.
  • Ich stelle mir das Kind als Samenkorn vor Das Kind hat einen inneren Bauplan und ich fungiere als Gärtner, der Licht und Wasser zur Verfügung stellt.
  • Ich stelle mir das Kind als bereits kompetentes Wesen vor Das Kind besitzt alle Grundlagen und ich helfe ihm als Vorbild und mit geeigneten Hilfestellungen, damit es sich altersentsprechend entwickeln kann.      
Erwachsener zeigt einem Kind etwas auf der Weltkugel
Bildrechte: www.pixabay.com

Wenn ihr mich persönlich fragen würdet: „Gudrun, welches ist denn nun dein persönliches Bild vom Kind? Was ist die Grundlage für deine pädagogische Arbeit?“, dann würde ich das Bild vom Kind nach der ungarischen Kinderärztin und Pädagogin Emmi Pikler nennen:

Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit und deshalb sein eigenes Entwicklungs- und Lerntempo, das sehr unterschiedlich sein kann. Jedes Kind macht genau dann seinen nächsten Entwicklungsschritt, wenn es sich dafür bereit fühlt, also sicher mit dem bisher Erlernten ist. Alle motorischen Fähigkeiten und auch das Selbstbewusstsein entwickelt das Kind selbst, wenn es ein entsprechend wertschätzendes und liebevolles Umfeld dafür hat.

Dieses Bild vom Kind gefällt mir, weil ich dadurch die Kinder nicht in eine bestimmte Richtung ziehe, sondern ihnen auf Augenhöhe begegne. Das heißt, dass ich das Kind auf seinem ganz persönlichen Weg unterstütze und begleite.

Und jetzt seid ihr dran: überlegt euch, wie sieht euer Bild vom Kind aus? Vielleicht geht´s euch wie dem Nikolauser im Video: Viel Mühe und Überlegungen stellt er an und das Ergebnis stellt ihn nicht zufrieden, macht ihn eher unsicher …

Viele, bunte, leere Sprechblasen
Bildrechte: www.pixabay.com

Aber gerade dieser Prozess, dieses Reflektieren, dieses Betrachten von allen Seiten ist wichtig, und nicht ein perfekt aussehendes Bild!

Viel Freude für eure Gedanken wünscht euch 

Eure Gudrun ¯

 

Und demnächst: tauchen wir ein in die Gedankenwelt der Emmi Pikler …

 

 

 

Ideen-Box

Ungiftige Finger- und Malfarben selbst herstellen

Je Farbtöpfchen braucht man:        

Kind, das mit Fingerfarben malt
Bildrechte: www.pixabay.com

                           

100 ml Wasser

4 leicht gehäufte Esslöffel Mehl

Spinat-, Kirsch-, Rote Beete- oder Blaubeersaft

Alte Schraubverschlussgläser

 

Und so geht`s:

Vermische den Saft mit Wasser; dann das Mehl hinzugeben; kräftig verrühren bis eine klumpenfreie Mischung entstanden ist. Die Farbe in eine Schraubverschlussglas füllen.

Sie hält im Kühlschrank ca. zwei Wochen.

!!! Dem Kind ein altes Hemd/Bluse mit angeschnittenem Ärmel anziehen = Malerkittel ~

Großes Papier anbieten (festkleben, damit es nicht rutscht); die Fläche darunter abdecken!!!

Was geschieht?

Mit den Fingerfarben können bereits die Kleinen ohne Pinsel loslegen und mit den Händen und Fingern ihrer Kreativität freien Lauf lassen; dabei werden die Neugier, die Experimentierfreude sowie die Sinne angeregt.

 

Video zum Thema