treffpunktfamilie 5

01. November 2020                                                                                   treffpunktfamilie 5

 

Eintauchen in die Gedankenwelt der Emmi Pikler (1904 -1984)

 

Zitronenscheiben fallen ins Wasser
Bildrechte: www.pixabay.com

Liebe Eltern,

heute möchte ich euch auf ein Abenteuer einladen: 

Eintauchen in die Gedankenwelt der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler, die eine sehr liebevolle und von Achtsamkeit geprägte Kleinkindpädagogik entwickelt hat.

Im Bild seht ihr Zitronenschnitze, die ins Wasser eintauchen: sie bringen das Wasser in Bewegung und sie frischen es dadurch auf. Vielleicht passiert das auch mit euch, wenn ihr die Aspekte der Pikler- Pädagogik kennenlernt.

Emmi Pikler vertrat die Ansicht, dass sich die Persönlichkeit des Kindes dann am besten entfalten kann, wenn es sich möglichst selbständig entwickeln darf. Sie ging davon aus, dass bereits die Säuglingspflege ein Teil der Erziehung ist; denn da macht das Kind einen Großteil an sozialen Erfahrungen.

Sie hat deshalb drei grundlegende Aspekte genannt: 

3 Fläschchen, die sich ergänzen
Bildrechte: www.pixabay.com

 

1. Pflege: Behutsame körperliche Versorgung und Kommunikation …das Kind wird dabei beteiligt

2. Bewegungsentwicklung: Das Kind entwickelt sich aus eigenem Antrieb und nach eigenem Rhythmus

3. Spiel: Freies und ungestörtes Spiel in einer geschützten und altersgemäß ausgestatteten Umgebung

 

 

Und diese Aspekte lassen sich zu Hause so umsetzen:

  • Sprecht bei allem, was ihr tut, mit eurem Kind; haltet Blickkontakt und erklärt, was als Nächstes kommt …
  • Wartet ab, bis das Kind bereit ist, mitzumachen; bereits wenige Wochen alte Babys sind zu kooperativem Verhalten fähig und zeigen dies mit Blicken, Gesten, Bewegungen …
  • Lasst euch bei allem Zeit und schenkt den Kindern liebevolle Aufmerksamkeit …
  • Schafft Sicherheit durch bekannte Abläufe … gleiche Reihenfolge bei der Pflege, Rituale schaffen …

Das klingt sehr einfach, aber die Umsetzung der Theorie in die Praxis ist ja oft die viel größere Herausforderung. Machen wir es mal an einem ganz konkreten, uns allen gerade in dieser Zeit aktuellem Beispiel fest:

Dem Kind läuft die Nase 

Ein Kindergesicht mit laufender Nase
Bildrechte: www.pixabay.com

Oftmals läuft die Szenerie dann wie folgt ab: Der/ die Erwachsene nimmt ein Taschentuch, hält das Kind, womöglich am Kopf, fest und putzt ihm von außen betrachtet relativ grob die Nase. Das Taschentuch bedeckt dabei einen Großteil des kleinen Gesichts und erzeugt beim Kind Angst, da Nase und teilweise der Mund vom Taschentuch bedeckt sind.
Achtsam und liebevoll einem Kind die Nase zu putzen nach Emmi Piklers Ansatz dagegen läuft folgendermaßen ab: Der/ die Erwachsene holt ein Taschentuch, geht dann auf Augenhöhe mit dem Kind (d.h. in die Hocke bzw. bückt sich) und spricht das Kind an: "Deine Nase läuft. Komm, wir putzen schnell deine Nase. Ich habe hier ein Taschentuch." Auf diese Weise ist das Kind informiert und wird ernst genommen. Das Naseputzen selbst läuft sanft und gefühlvoll ab und mit einer Anweisung an das Kind wie z.B.: "Feste durch die Nase pusten. Ja, gut. Und nochmal..."

 

Wie hättet ihr das gemacht?

Vielleicht sind da jetzt in eurem Kopf Gedankengänge angeregt worden und ihr könnt jetzt mit dem Gehirn-Jogging beginnen? Denn es gibt im Alltag so viele kleine Szenen, die ihr jetzt nach diesem Prinzip durchdenken und umsetzen könnt …

Vielleicht ist auch jemand von den „Ideen- Spritzern“ so angeregt, dass er sich weiter mit der Emmi -Pikler-Pädagogik beschäftigen möchte.

Ich hoffe, dass euch unser Abenteuer gefallen hat und schicke euch auf diesem Weg Grüße der Achtsamkeit ….

Eure Gudrun¯

Und demnächst: ich kenne da jemanden, der auch sehr achtsam war: St. Martin …

 

Ideen -Box

Ein kleines Gespenst basteln

Selbstgebasteltes Gespenst
Bildrechte: GW

Material:

Watte oder (Roh)Wolle, Faden oder Band; Taschentuch

oder quadratisches Stück Stoff, schwarzer Filzstift oder

selbst ausgeschnittene Augen aus Papier.

 

Arbeitsschritte:

Der Kopf besteht aus einer Watte – bzw. Wollkugel.

Wenn er hart sein soll, kann man ihn mit Faden fest umwickeln.

Ein längeres Stück Wolle; einen Knoten machen an einem Ende; beim Taschentuch in der Mitte durchstechen; das Taschentuch hängt jetzt am Faden.

Den Kopf hineinlegen und mit einem Stück Wolle unter dem Kopf zuschnüren.

Jetzt noch die Augen aufmalen oder aufkleben; schon kann das kleine Gespenst aufgehängt werden.

                            

                                                          Viel Spaß!

 

Video zum Thema