treffpunktfamilie 7

24.November 2020                                                                                  treffpunktfamilie 7

 

Rituale als Medizinfläschchen
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Liebe Eltern,

wenn in unserem Körper etwas in die Schieflage gerät, wenn etwas weh tut, nicht mehr so richtig funktioniert, dann hilft uns so manches Mal eine geeignete Medizin. In der Erziehung gibt es diese „gefühlten Schieflagen“ auch und es wäre toll, wenn es dann dafür auch eine passende Medizin geben würde. Jetzt denkt ihr bestimmt: „Ha, die gibt´s doch nicht! Die hätte ich mir schon längst besorgt …“

Aber tatsächlich! Es gibt so eine Art Medizin, die in vielen Situationen angewendet werden darf; sie heißt „Rituale“.

Schauen wir uns diese Medizin näher an, was würde da im Beipackzettel stehen?

 

Beipackzettel für ein Medikament
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Rituale sind regelmäßig wiederkehrende Handlungen, die den Alltag gliedern. Sie geben Struktur und Halt und ordnen den Tagesablauf und die Beziehung zu anderen Menschen.

Durch Rituale (z.B. beim Zu-Bett-Bringen) entsteht das Gefühl von Zuverlässigkeit ~ nichts muss immer wieder neu ausgehandelt werden; alles läuft nach einem gleichen Muster.

Diese immer wiederkehrenden Handlungen werden von den Kindern geliebt, denn es entsteht das Gefühl von Sicherheit. So wird das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein der Kinder gefördert und Eltern werden entlastet. Gerade in Übergangsphasen (z.B. sich vom Kind verabschieden) können Rituale Ängste reduzieren und Halt geben.

Rituale können darüber hinaus auch in neuen oder besonderen Situationen, in Krisen heilsam sein (z.B. ein Gebet oder ein gemeinsames Anzünden einer Kerze, wenn jemand gestorben ist …) Rituale setzen außerdem Grenzen und helfen, sich an Regeln zu halten. Sie zeigen, wann mit bestimmten Tätigkeiten Schluss ist und etwas Neues beginnt. Ein Lied z.B., das die Essenszeit einleitet, hilft dem Kind zu akzeptieren, dass alle aufeinander warten und gemeinsam beginnen. So helfen die Rituale den Kindern, ihre Gefühle auf Situationen einzustellen. Rituale lassen nicht nur Kinder, sondern uns alle innehalten: festliche Rituale unterbrechen den Alltag und weisen auf das Besondere hin; so z.B. Geburtstagsfeiern. Dabei wecken Rituale das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen. Festliche und feierliche Rituale machen die Bedeutung von großen und kleinen Festen begreifbar und binden uns in den Jahreskreis ein. Rituale bereichern das Zusammenleben in Familien, aber sie dürfen nicht zum Zwang werden. Rituale sollen Freude machen und allen gut tun. Sie dürfen verändert werden, wenn sich die Bedürfnisse oder die Lebenssituation in einer Familie verändert hat. Rituale wollen uns bereichern!“

Oh, wow! Ihr werdet mir zustimmen: diese Medizin ist sofort „einzunehmen“; so viel, wann und wo auch immer ihr sie braucht: sie hat keine schädlichen Nebenwirkungen!!!

Also nutzt in der Erziehung Rituale als Ankerpunkte ~ sie machen das Leben einfacher!!!

Viele kleine Anker auf einem Haufen
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Viele gute Erfahrungen wünscht euch eure        

                                                        Gudrun

 

 

Und demnächst: Der Nikolaus ~ ein pädagogisches Mittel?

 

 

                                                                        Ideen -Box

Die Adventszeit ist eine Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten und geprägt von vielen Ritualen, die uns hinführen und einstimmen wollen. Habt ihr schon einmal über den Adventskranz nachgedacht?

Der Adventskranz wurde 1839 von dem evangelisch-lutherischen Theologen, Erzieher, Mitbegründer der Inneren Mission und Begründer der Evangelischen Diakonie Johann Hinrich Wichern (1808–1881) im evangelischen Norddeutschland eingeführt, womit er Straßenkindern des beginnenden Industriezeitalters die Zeit bis Weihnachten verkürzen wollte. Knapp hundert Jahre später war er auch in katholischen Gegenden zu finden.

Ein Adventskranz kann mit und für Kinder erlebbar werden:

Kleiner, grüner Tannenzweig
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  • Grüne Zweige bei einem Spaziergang im Wald sammeln
  • Einen Zweig mit allen Sinnen erleben, die Nadeln stechen, die Farbe benennen, wie riecht der Zweig, …
  • Einen Ort in der Wohnung aussuchen, an dem wir den Kreis aus den Zweigen legen wollen …
  • „Unseren“ Adventskranz legen und dabei unser Lied singen:

Der grüne Zweig in unserer Hand bringt Farbe hier in dieses Land.

Das Grün, es macht uns Mut und das tut uns allen gut!

Der grüne Zweig in unsrer Hand bringt Tannenduft in dieses Land.

Der Duft, er macht uns Mut und das tut uns allen gut!

Der grüne Zweig in unsrer Hand bringt Musik hier in dieses Land.

Das Lied, es macht uns Mut und das tut uns allen gut!

Der grüne Zweig
  • Kinder schmücken gerne: den Kranz mit Kerzen, Tannenzapfen, Perlen, Schleifen (alles ist möglich…Kinder haben einen anderen, eigenen Geschmack…)
  • Sich jeden Tag beim Adventskranz zum Adventsritual versammeln :eine Kerze (…) anzünden, miteinander singen,  ein Gedicht , eine Geschichte oder ein Gebet hören (je nach Alter der Kinder) evtl. auch den Adventskalender öffnen …
  • Ein Lied zum Licht teilen: (…vielleicht mit Teelichtern jeden Tag eins mehr…) 
    Eine brennende Kerze
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Die Flamme einer Kerze tanzt und flüstert leis: „Nehmt mein Licht und teilt es hier in eurem Kreis!“ dann wird es hell und heller, welch ein schönes Licht, das mit seiner Freude, die Dunkelheit durchbricht.

 

 

                                                                                      Viel Freude mit eurem „Erlebnis-Adventskranz“ …vielleicht mag jemand ein Foto schicken? 

Video zum Thema